Kaufberatung für mobile Sicherung (Hex, Camalots, Keile etc.)

Vorbereitung auf einen BigWall

„Der Einstieg ins richtige Klettern – Tradclimbing – Cleanclimbing – alpines Abenteuerklettern, BigWall-Klettern, Aid-Climbing “ – als das sind Synomyme für eine fortgeschrittene Form des Klettern die vor allem den Einsatz von mobilen Sicherungsgeräten notwendig werden lässt. 
Aber selbst in Plaisir-Routen macht es durchaus Sinn ein kleines Sortiment an mobilen Sicherungsgeräten dabei zu haben. Vor allem wenn dies in den Beschreibungen wie „die notwendigen Haken sind vorhanden, allerdings ist in leichteren Seillängen mit weiten Hakenabständen zu rechnen“ oder „die notwendigen Haken stecken, zu weiteren Absicherung ist ein ausgewogenes Sortiment an Klemmkeilen empfehlenswert“. So haben wir beispielsweise selbst in Plaisirtouren stets einen oder zwei „Link-Cams“ als „Notbehelf“ dabei und diese haben uns dabei schon oft gute Dienste erwiesen.
In alpinen Routen oder reinen „Trad-Touren“ ist meist sehr genau im Beschreibungskopf erläutert, welches Sicherungsmaterial zur Mitnahme empfohlen wird. Neben der reinen Schwierigkeit kommen die mentalen Belastungen hinzu (weite Abstände weil keine Sicherungen angebracht werden können, schlechte Placement´s, Sicherungen können nur aus kräfteraubender Kletterstellung angebracht werden etc.). 
Weiters wird in solchen Routen oftmals neben den UIAA-Schwierigkeiten noch eine allgemeine Angabe in Form einer Absicherungsskala, die namhafte Kletterer entwickelten,  angegeben:
In dieser Skala werden die Möglichkeiten der Absicherung, Abstand und Zuverlässigkeit der Haken beurteilt.
„R“steht dabei für Risiko und „S“ für Absicherung. Bei BigWalls kommt noch eine allgemeine Schwierigkeit in römischen Ziffern hinzu, die Auskunft über den allgemeinen Schwierigkeitsgrad der Route gibt.

In diesem Zusammenhang sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Legen dieser Sicherungsmittel extrem viel Erfahrung erfordert und man sich nicht sofort in „cleane Routen“ wagen sollte, sondern sich vielmehr an diese Art des Klettern durchaus behutsam heranwagen sollte. Schlecht gelegte Sicherungen an „heiklen“ Stellen oder ein „schlecht gebauter Standplatz an mobilen Sicherungspunkten“ kann sehr schnell zu fatalen Folgen führen!
Wir beschränken uns nachfolgend auf die Erklärung der Einsatzbereiche von mobilen Sicherungsmitteln und deren Vor- und Nachteile. Damit wollen wir dem „Einsteiger und Fortgeschrittenen“ eine Empfehlung über das richtige Mix der Geräte vermitteln.

Mobile Sicherungen aktiv/passiv

  1. Aktive Sicherungen












Aktive Sicherungen werden durch ihre Beweglichkeit definiert. Ihr Placement ist einfacher und sie sind auch leichter wieder zu entfernen. Unter Belastung „verkeilen“ sie sich noch stärker und dadurch erhöhen sich auch die Haltekräfte. Allerdings sind diese Klemmgeräte auch deutlich teurer als passive Klemmgeräte. In der Regel verstehen man unter aktiven Klemmgeräten Camalots oder Friends. Für Spezialisten und BigWall Aspiranten seien noch Gipsy, Slider und Ballnut erwähnt (hierzu nachfolgend noch mehr). Wir persönlich sind sehr von den Linkcams angetan, die aber preislich am höchsten zu Buche schlagen.

  • Friends/Camalots

Camlots sind die „Nachfolger“ der klassischen Friends (Wild Country). Sie sind mit einem Federzug und 3 bzw. 4 beweglichen Klemmsegmenten ausgestattet. Cams mit nur 3 beweglichen Elementen werden meist in kleineren Rissen untergebracht und sind vorzugsweise im Granit anwendbar.
Mit dem beweglichen Federzug kann die Spannbreite (je nach Rissbreite) verändert werden und so der Cam gesetzt oder entfernt werden. Im Gegensatz zu den Friends haben die Camalots jetzt einen beweglichen Steg, der vor allem bei Felsauflagen deutlich besser zu legen ist, bzw. im Sturzfall ungünstige Hebelverhältnisse ausschließt. Bei der Plazierung sollte der Cam weder im oberen noch unteren Spannweitenbereich gesetzt werden. Beides führt zu ungünstigen Placements.

  • Omega Link Cam

Die Omega Link Cams stammen von Greg Lowe´s konzipierten Friends ab und wurden weiterentwickelt. So sind alle 4 Klemmbacken in 3 Segmente unterteilt. Dadurch haben die Sicherungsgeräte einen wesentlich weiteren Einsatz- bzw. Spannweitenbereich. Wie schon eingangs erwähnt sind das unsere „besonderen Freunde“ die wir auch in abgespeckter Anzahl in Plaisirtouren bei uns haben. Sie sind extrem universell einsetzbar und mit 1 oder 2 dieser Geräte lässt sich eine große Bandbreite an Sicherungsmöglichkeiten abdecken. Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass man sich durch den breiteren Einsatzbereich zwar „Material“ spart, es jedoch bei einer komplett selbst abzusichernden Seillänge dann auch „Engpässe“ mit den Sicherungen geben kann. Deshalb ist es ratsam die Routenbeschreibungen genau zu lesen und dann ev. ein Mix aus Camalots und LinkCams mitzuführen!

  • Gypsi

Der Gypsi stellt laut Kong eine optimale Alternative bzw. Ergänzung zu den Friends dar:


„Innovatives bewegliches Anschlagsystem, optimale Alternative zu den traditionellen „Friends“ zur Verwendung  in breiteren Spalten, mit sehr geringem Gewicht und Abmessungen. Gipsy ist in drei Größen erhältlich, die einen breiten Intervall zwischen Mit automatischem Druckknopf, der die Vorrichtung in offener Position blockieren kann und somit die Einführung in den Spalt erleichtert.
Die Hauptvorteile bezüglich der Friends sind der reduzierte Platzbedarf und Gewicht, die geringere Wartung aufgrund der einfachen Konstruktion und die breitere Öffnungspalette“ (Text: Firma Kong)

  • Ballnut/Slider
Ballnut von Camp

Die Ballnuts oder Slider können in kleinsten Rissen, abweisenden Felsspuren oder Hakenlöchern verwendet werden und nur für sehr erfahrene Kletterer empfehlenswert.
…..Die Ball Nuts wurden 1987 von John Middendorf erfunden. Vor allem bei sehr schmalen und glatten parallel verlaufenden Rissen sind sie oft die einzige Alternative zum Hakenschlagen. Ideal auch der Einsatz in den “Pin Scars” (Risse, die durch das konstante Hakenschlagen und -entfernen entstehen) und in den kleinen Konkavitäten, in denen auch die modernen Minicams keinen Halt bieten.
hilfreicher Link zur Handhabung des Ballnut

  • Tricam

Tricams können sowohl aktiv als auch passiv gesetzt werden. Sie wurden von dem Kletterer Greg Lowe erfunden und seither nahezu nicht verändert. Die Festigkeit als aktives Sicherungmittel erreicht er durch die Ausnutzung der Drehmomentkräfte zum Zeitpunkt der Belastung. Passiv gelegt, fungiert er wie ein normaler Klemmkeil. Sie funktionieren dort, wo andere Sicherungsmittel nicht geeignet sind (z.B. horizontale Risse oder Löcher). In Kopfnähe ist das Band nochmals versteift und dicker (3 Gewebeschichten); dadurch kann das Sicherungsmittel auch mit einer Hand platziert werden. Der Tricam ist in 4 Größen und zur besseren Unterscheidung mit unterschiedlichen Farben der Bänder gekennzeichnet.

2. Passive Sicherungen
Passive Sicherungen haben keine beweglichen Teile und sind daher deutlich preiswerter in der Anschaffung. Als Grundstock und zur Einführung ins Klettern mit mobilen Sicherungsmitteln sind sie daher erste Wahl. Unter den passiven Sicherungen sind die Klemmkeile oder Rocks das am meisten verbreitete Sicherungsmittel. Daneben gibt es noch Copperheads, Tricams, Hexentrics etc. Allen liegt ein Metallblock der unterschiedlich bearbeitet sein kann zugrunde. Dieser ist mit einer Schlinge aus statischem Bandmaterial oder einem Stahlkabel verbunden, das als Verlängerung und zum Clippen benötigt wird. Das Metallteil verkeilt sich in Rissen, Löchern und sonstigen „Aussparungen“……

  • Klemmkeile/Rocks

Der Klemmkeil ist der Klassiker unter den passiven Sicherungen und sollte immer Teil der Ausrüstung sein. Es gibt die verschiedensten Ausprägungen was die Form betrifft. Grundlage ist immer eine trapezförmige Ausprägung. Je nach Marke kann die Form von halbmondförmig bis rund varieren. Auch die Kantenlängen sind unterschiedlich. Je nach Form sind sie für die ein oder andere Rissform idealer geeignet. Oftmals werden die Klemmkeile (Micro-Keile, RP-Keile) zum technischen Klettern auch aus Messing hergestellt. Dadurch verformen sie sich und können beim Setzen noch idealer in die jeweilige Rissform geschlagen werden (ein Thema beim technischen BigWall Klettern).


  • Hexentric
Hexentric von BlackDaimond

Der Hex ist bei uns weniger bekannt. Es sind sechseckige Keile für größere Finger- und Handrisse. Auch in parallelen Rissen, im Granit und vereisten Rissen leisten Sie gute Dienste. Das Legen und Entfernen dieser Sicherungsmittel ist allerdings schwerer.









  • Klemmkeilentferner
Klemmkeilentferner mit integriertem Karabiner


Der Klemmkeilentferner ist ein Metallteil mit einer ausgeprägten „Hakennase“. Vor allem der Nachsteiger braucht dieses Teil um verklemmte oder ins Innere eines Risses gerutschte Sicherungsmittel wieder entfernen zu können.
Ohne dieses Teil hat schon mancher teure Ausrüstung in der Route belassen müssen (wir sprechen aus eigner Erfahrung ).

Bruchlasten von mobilen Sicherungsmitteln

Die Bruchlasten der Sicherungsmittel hängen zum einen von der Größe der Sicherungen ab und zum anderen von der Gesteinsqualität und des Placements.
Grundsätzlich halten bei passiven Sicherungsmitteln die kleineren Keile weniger. So werden beispielsweise Micro-Keile in ganz kleinen Größen nur zur technischen Fortbewegung empfohlen bzw. halten keinen Sturz.
Die Felsqualität ist ebenfalls ein beschränkender Faktor. Ein gut gelegter Keil im Granit kann durchaus eine „Lebensversicherung“ im Sturzfall sein. Im Kalk ist die Haltekraft eines Friends oftmals kritischer zu sehen und bedarf auch großer Erfahrung. Schlussendlich ist das Anbringen der Sicherungsmittel nur mit ausreichendem Spezialistenwissen zuverlässig möglich und die Gegengebenheiten für die Placements müssen fachmännisch beurteilt werden können.

Grundausstattung/Fazit/Placement-beispiele

Die Grundausstattung sollte unseres Erachtens aus einem kompletten Satz Klemmkeilen (Set von 8-12 Keilen) bestehen. Dazu noch die wichtigsten Camalots in den Größen 0,75-2,0. Alle anderen Sicherungsmittel können bei Bedarf im Laufe der Zeit nachgerüstet bzw. die Ausstattung komplettiert werden. Wie am Anfang bereits beschrieben sollte man sich an das Thema „Trad-Routen“ vorsichtig heranwagen und idealweise beispielsweise das Keile legen zuerst ausgebig trainieren. Dies kann durchaus in Plaisirtouren zwischen den Bolts oder auch im Klettergarten geschehen, indem man zwischen den Bolts versucht mobile Sicherungen anzubringen. Dadurch reduziert sich auch die Gefahr von Fehlern beim Legen der mobilen „Freunde“ auf ein sehr verträgliches Mass.

  • Fazit
    Obige Ausführungen stellen nur eine grobe Übersicht der zur Verfügung stehenden Sicherungsmittel dar. Es gibt darüberhinaus vor allem für den technischen Bereich (BigWall-Klettereien) noch eine Reihe von sehr speziellen Sicherungsmitteln auf die wir an dieser Stelle aber nicht eingehen möchten. Grundsätzlich macht diese Art der Kletterei großen Spass und bleibt auch lange im Gedächtnis nicht zuletzt aufgrund der mentalen und technischen Ansprüche die diese Kletterei insbesondere vom Vorsteiger verlangt.
  • Beispiele von Placement´s







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