Info´s rund um die Bindungseinstellung

Ob beim Freeriden, Skitourengehen oder Alpinskifahren, die richtig eingestellte Bindung ist eine unabdingbare Voraussetzung, um die Sicherheit für eine zuverlässige Auslösung im Falle eines Sturzes zu haben.Wir fragen deshalb beim Kauf jedes Skisets, ganz gleich ob es sich um ein Freerideset, ein Skitourenset oder einen Alpincarver handelt, gewisse persönliche Daten ab, um so eine saubere Einstellung gewährleisten zu können. Wir unterscheiden bewusst zwischen Montage und Einstellung und der Montage und Einstellung nach IAS-Norm (ISO 11088).

 

 

34normalLetztere ist nur möglich, wenn alle Komponenten im Orginal vorliegen. Dies betrifft vor allem die Skischuhe. Die Norm schreibt hier die Anpassung mit Orginalschuhen vor, um zu gewährleisten, dass etwaige Abnutzungen oder Besonderheiten der Schuhe  bei der Prüfung durch das Einstellgerät (wir verwenden hierzu ein Wintersteiger Speedtronic IAS-Einstellgerät das der Norm ISOI 11110 entspricht; siehe Bild) berücksichtigt werden können.

Selbstverständlich müssen sich alle Komponenten in einwandfreiem Zustand befinden.

Unter Umständen ist diese Einstellung auch Voraussetzung zur Teilnahme an Kursen und Verantstaltungen (z.B. Kinderskikurse).
Eine IAS-Einstellung sollte unseres Erachtens jährlich stattfinden.

Die Grundlagen der Einstellung finden sich in der Norm „ISO 11088“. Sie definiert die Montage, Einstellung und Überprüfung der Funktionseinheit Alpinski, Bindung und Schuh

Grundsätzlich lässt die Norm zwei Formen der Einstellung zu (Tibiamethode und Gewichtsmethode).
Wir verwenden für die Einstellung die Gewichtsmethode, da diese unserer Einschätzung nach eine Fehlmessung bei der Tibiakopfmethode ausschließt. 

Diese Methode wurde besonders in der Schweiz und den USA entwickelt. Sie basiert auf der statistischen Auswertung von Skiunfällen. Man hat eine Abhängigkeit zwischen dem Körpergewicht, Körpergröße und dem Alter des Skifahrers zu den Drehmomenten, die zu Verletzungen führen, herausgefunden. Gekoppelt mit dem Skifahrertyp (Risikobereitschaft, Fahrkönnen) wird jedem Skifahrer ein Code (A bis P) zugeordnet, zu welchem in einer Tabelle entsprechende Drehmomente in Nm zusammengefasst sind.

Mit den nachfolgenden Erläuterungen wollen wir unseren Kunden die Hintergründe unseres „Abfragemarathons“ näher bringen.
Um eine exakte Montage und Einstellung zu gewährleisten, benötigen wir nachfolgende Daten:
1) Gewicht des Fahrers in angezogenem Zustand (d.h. incl. Skibekleidung)
2) Körpergröße
3) Alter
4) Sohlenlänge des Skischuhes
5) Fahrkönnen des Fahrers
6) Montagepunkt der Bindung

Wir wollen nachfolgend vor allem auf die Punkte 4-6 eingehen, da alle anderen Kriterien zweifelsfrei angegeben werden können.

 

bildschirmfoto-2014-11-11-um-12-44-10 Sohlenlänge des Skischuhs:
Die Sohlenlänge des Skischuhs wird in Millimetern angegeben und steht als 3-stellige Zahl immer an der Innenseite des Skischuhs. Alternativ kann die Sohlenlänge auch mittels Zollstock gemessen werden. Gemessen wird die Länge der Skischuhsohle von Außenkante zu Außenkante (Bild)
Wichtig hierbei ist, dass sie nicht mit der Mondopointgröße des Skischuhs verwechselt wird (Mondopoint 28.0 ist die Skischuhsohlenlänge 280mm; siehe hierzu http://www.teamalpin.com/de_de/faq)

Fahrkönnen des Fahrers:
Das Fahrkönnen des Fahrers in in 3 unterschiedliche Typenklassen aufgeteilt, wobei es bei Typ 1 und 3 noch Abstufungen gibt. Je nach körperlichen Voraussetzungen, tatsächlichem Fahrkönnen, bevorzugtem Tempobereich, Geländewahl, Motivation und Wunsch des Kunden lassen sich die Skifahrer in nachfolgende Zielgruppen bzw. Typen einstufen.

 

Typ 1 –

skifahrer_typ1
Hier finden sich vorsichtige Skifahrer, deren bevorzugter Geschwindigkeitsbereich langsam bis gemäßigt ist und die in leichtem bis mässig geneigtem Gelände (präparierte Piste) unterwegs sind.
Dieser Typ trifft auch auf Skifahrer zu, die im Anfangsstadium sind und sich daher ihrer Zuordnung nicht sicher sind. Fahrer, die sich in diese Kategorie einordnen, erhalten Einstellungen, die unter dem Durchschnitt liegen. Dies entspricht daher wieder einem höheren Risiko der Fehlauslösung, um damit die höhere Auslösefähigkeit beim Sturz zu erzielen. Andererseits wird dadurch das Risiko
der Nichtauslösung bei einem Sturz gemindert.
Bei extrem vorsichtigen Skifahren oder Anfängern gibt es hierzu noch die Abstufung 
„-1 sehr vorsichtig“, womit sich vorhergehende Ausführungen in noch stärkerem Maße auswirken.

Typ 2 –

skifahrer_typ2Hier finden sich Fahrer, die sich weder in Typklasse 1 bzw. 3 einstufen. Die Wünsche dieser Klasse sind souveränes Fahren auf allen Pisten, im Gelände und bei jedem Schnee. Sie fahren genussvoll und elegant und auch hin und wieder etwas schneller. Sie bevorzugen mittleres bis höheres Tempo.

 

 

 

 

Typ 3 –

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skifahrer_extreme_2skifahrer_typ3  Skifahrer in dieser Typenklasse bevorzugen steiles Gelände, aggressiven Fahrstil und einen schnellen Geschwindigkeitsbereich. Dies ist gepaart mit hoher Risikobereitschaft.
Skifahrer, die sich diesem Typ zuordnen, erhalten Einstellungen, die über dem Durchschnitt liegen. Dies entspricht einem verminderten Risiko einer Frühauslösung, um damit eine verminderte Auslösefähigkeit beim Sturz zu erzielen. Der Skifahrer muss sich bewusst sein, dass dies zwar das Risiko einer Frühauslösung verhindert, andererseits aber das Risiko einer Nichtauslösung im Sturzfall erhöht.

 

Beispiele für diese Typenklasse sind: 
Racefahrer, rennsportlich orientierte Skifahrer und Rennläufer, hoher Tempobereich und anspruchvollstes Gelände. Seine Wünsche sind: so schnell wie möglich fahren, sehr sportlich, mit höchster Steuerqualität fahren, exakt fahren, extreme Kurvenlagen ausreizen,  gewisses Prestige verkörpern
Extreme-Skifahrer:
In dieser Zielgruppe sind alle Extremskifahrer vereinigt. Ob im Funpark, auf Kickern, Ramps und in der Halfpipe,  oder mit dem Helicopter abseits der präparierten Piste im steilsten Freeridegelände,
diese Gruppe sucht das Extrem.

 

Wie wirkt sich der Montagepunkt der Bindung auf den Ski aus?
Jeder Ski hat einen angegebenen Montagepunkt, der sich in der Regel an der Skischuhmitte oder der Skischuhspitze orientiert. Die Bindung kann auch vor oder hinter dem Montagepunkt montiert werden. Wird die Bindung weiter vorne montiert, verändert sich der Drehpunkt vom Ski. Das Kurvenfahren wird dynamischer. Der Montagepunkt hinter dem angezeichneten Punkt stabilisiert den Ski trotz hoher Geschwindigkeit auf der Piste und bietet Vorteile im Powder.

Montagepunkte und deren Bedeutung:
Standardmäßig gibt der Hersteller auf den Skiern einen Montagepunkt an, der sich mehr oder weniger genau in Skimitte befindet. Dieser Montagepunkt ist für die meisten Anforderungen ausreichend und optimal. 
Will man gewisse Charaktereigenschaften der Skier anpassen bzw. hervorheben, so wandert der Montagepunkt mehr oder weniger weit nach vorne bzw. hinten.

-Freerideskier
 Bei Freerideskiern wird der Montagepunkt oftmals leicht nach hinten verlegt, um so mehr Auftrieb im Powder zu bekommen.
-Allroundskier
 Bei Allroundskiern ist von der Herstellerempfehlung auszugehen, d.h. der Montagepunkt befindet sich am standardgemäßen Skimittelpunkt. Damit liegt der Montagepunkt zwischen Freeride und Freestyle. Dies ist jedoch auch abhängig von Hersteller und Modellmarke.

-Skitourenski:
Die Bindung wird auf den vom Hersteller empfohlenen Montagepunkt montiert.

-Freestyle
Der Montagepunkt wird leicht nach vorne verlegt, damit wird dynamisches Drehen der Skier besser gewährleistet. Der Montagepunkt kann dabei bis zu 3cm nach vorne verlegt werden.

-Alpin-Skier:
Hier ist der Montagepunkt in der Regel durch die vorinstallierte Rail des Herstellers bereits optimal vorgegeben.

Selbstverständlich kann der Montagepunkt auch nach individuellen Wünschen angepasst werden. Im Regelfall montieren wir die Skier nach der vom Hersteller vorgegebenen Auswahlskala.

In diesem Kontext wird uns oftmals die Frage nach der entsprechenden Stopperbreite gestellt.
Die Stopperbreite ist abhängig von der Breite im Bindungsbereich (Taille) des Skis. Die Stopperbreite wird bei der Montage vom Skimonteur nochmal überprüft und automatisch angepasst..

Anhand obiger Ausführungen ergibt sich für jeden Fahrer die zwingende Verpflichtung, die Angaben sachlich und fachlich richtig zu machen, da ansonsten keine adäquate Bindungseinstellung möglich ist und sich daraus ergebende Fehlauslösungen der Bindung fatale Folgen haben können.

Schlussendlich möchten wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass für jede Ski-Bindung-Schuh Einheit  eine Einstellung nach IAS-Norm unbedingte Voraussetzung für die „Inbetriebnahme“ des Sportgerätes ist.
Wir weisen auf diesen Umstand bei jedem ausgeliefertem Set mittels eines roten Aufklebers auf der Skioberfläche hin.
Selbstverständlich bleibt es jedem Fahrer überlassen, sich seine Bindung selbst einzustellen. Der sich daraus ergebenden Verantwortung muss sich  jeder dann auch eigenverantwortlich  stellen.

(Canale Holzer; Dolomiten)

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