Bindungstest Marker „Kingpin“ in Chile

Hallo Herr Praxenthaler,

ich würde Sie gerne für eine Woche nach Chile einladen……………!

Auf so einen Anruf habe ich schon lange gewartet. Nach kurzer Rücksprache mit meiner Familie sage ich sofort zu. Meine Rückfrage hinsichtlich des Grundes der Einladung bleibt im Dunkeln.

Aber gut, so eine Einladung schlage ich nicht aus. Nur zu gut erinnere ich mich an meine 3-monatige Südamerika Reise während meines Studiums, die mich unter anderem auch durch die Atacama Wüste in Chile führte.

Am 16. August ist es dann soweit. Wir treffen uns in München am Abflugschalter. Mein Bruder und ich treffen einen kleinen Kreis, der auch einige bekannte Gesichter einschließt, sodass wir uns sofort rege austauschen.

Unser Reiseleiter Volker von Völkl/Marker lässt sich auch nicht näher aus, was das Ziel unserer Reise betrifft.

In einer kleinen Gruppe von 13 Leuten checken wir ein und fliegen als erstes Richtung Paris, von wo es nach einer relativ kurzen Aufenthaltsdauer weiter geht. Der Flug nach Santiago de Chile dauert 13 Stunden und entsprechend kommen wir am nächsten Tag auch dort an. Ich habe überraschend gut an meinem Fensterplatz schlafen können.

Der Weiterflug nach Conception ist geplant und gebucht. Allerdings wird uns jetzt auch bewusst, dass wir nicht in Europa sind. Die nette Dame der chilenischen Airline teilt uns mit, dass unser geplanter Flug schon voll ist (obwohl wir die Tickets dafür haben) und wir die nächste Maschine nehmen müssen. Das Einchecken dauert komplette 3 Stunden und nun wissen wir endgültig, dass wir in Südamerika sind. Hier ist Geduld und Gelassenheit von großer Wichtigkeit…!

Endlich geht´s nach Conception. Nach der Landung werden wir mit Chips und Dosenbier empfangen. In einem Shuttle geht´s weiter Richtung Nevados de Chillian. Die Lodge im Las Francas Tal ist umgeben von wunderbaren Wäldern und Lagunen und liegt auf ca. 2.000m. Nicht weit davon entfernt der Vulkan Chillian. Nach ca. 2 Stunden erreichen wir unsere Lodge Rocanegra.

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Der erste Eindruck ist der Hammer…  und jetzt wird uns einiges klar: Überall finden sich Banner und Fahnen mit dem Hinweis: „Marker Kingpin“.

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Nach einem herzlichen Begrüßungsritual beziehen wir die Zimmer und staunen erst mal über das Areal und unser zu Hause für die nächsten Tage.

Wir sind die ersten Händler, die die neue Marker „King Pin“ testen können und zu diesem Zweck werden wir schon am nächsten Morgen auf unsere erste Skitour starten.

Schnell sind wir in den Betten und in Gedanken schon beim nächsten Tag.

Früh morgens sind wir auf und genießen das köstliche Frühstück. Dann geht´s an unser Testmaterial, das perfekt und bestens präpariert für jeden einzelnen von uns bereit steht.

Unsere beiden Bergführer haben das Gebiet an den vorherigen Tagen schon ausgiebig erkundet und wollen uns am ersten Tag an Natur, Material und Höhe gewöhnen. Daher wird ein unscheinbarer Grat mit ca. 700 Höhenmetern angepeilt.

Die Tour führt uns durch wunderbar fremde Wälder mitten durch den erkalteten Lavastrom des Vulkans „Vulcano Chillian nuevo“ hinauf auf einen tollen Aussichtsgrat, von dem aus wir die herrliche Landschaft genießen können.

Der Anstieg war länger als geplant, da wir staunend immer wieder stehen bleiben und begeistert Fotos ohne Ende machen. Dabei wird natürlich auch ausgiebig die neue Bindung getestet. Trotz extrem komfortablen Handlings bin ich mit meiner Meinung noch vorsichtig, da ich auch die Abfahrtseigenschaften genauer unter die Lupe nehmen möchte. Was das Aus- und Einsteigen in die Bindung, das Umstellen auf Abfahrt und Anstieg, den Einstieg mit meinem La Sportive Spectre, das Anlegen der Harscheisen und die Steighilfe betrifft macht sich bei mir schon vorsichtige Begeisterung für dieses Teil bemerkbar.

Nach kurzer Rast am Grat beschließen wir, einen steilen Hang ab zufahren und einen weiteren Aufstieg in Angriff zu nehmen. Spätestens jetzt überlege ich, ob ich nicht wie bei meiner ursprünglichen Bindung verriegeln sollte, um im steilen und harten Hang keine ungeplante Bindungsöffnung erleben zu müssen. Der knackige Ton beim Zuschnappen der Bindung erinnert mich stark an den Ton der Marker Duke, die ich für steile Abfahrten sonst bevorzuge. Also was soll´s – keine Verriegelung!

Vorsichtige erste Schwünge mit meinem Völkl BMT 94 zeigen mir einen tollen Kraftschluß mit dem Völkl BMT 86 und die ersten Rippen und Stöße hält die Bindung gut. Also Speed……. und schon bald habe ich vergessen, dass ich einen Prototypen am Schuh habe und fahre, was das Zeug hält. Die Bindung macht mir Freude und hält zuverlässig und gut. Spätestens jetzt bin ich wirklich begeistert und schildere meine Eindrücke den anderen, die ähnlich positiv darüber urteilen.

Am frühen Nachmittag sind wir an der Loge und genießen die Sonne auf der Terrasse bei Bier und Pisco. Ein Traum……..

Kurz vor dem Abendessen dann die erste Schulung über die Entwicklung und Milestones der Marker King Pin Bindung. Viele Fragen kommen von den Teilnehmern, die aber allesamt professionell und schlüssig von den Entwicklern beantwortet werden können.

Am nächsten Tag ist der 3.200m hohe Vulkanberg geplant. Wir starten schon früh und wollen die Liftanlagen des nahegelegen Liftgebiets zu Hilfe nehmen. Eine kleine Panne unterwegs wird auf „südamerikanisch“ schnell behoben. Die Lifte erinnern mich an unsere Anlagen vor 30 Jahren. Am Ausstieg treffen wir noch kurz die deutsche Skinationalmannschaft; eines der Mädchen ruft „Christian griaßte…..“. Wieder zeigt sich, wie klein die Welt doch sein kann.

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Diesmal ist der Anstieg deutlich länger und auch etwas kräftezehrender. Nach ca. 3-4 Stunden kommen wir in Gipfelnähe und vor allem treffen wir auf beinhartes Gelände. Kalter ständiger Wind vermischt mit sehr warmem Wetter schafft hier außerordentlich „glasierte Verhältnisse“, in denen wir unsere Harscheisen sehr schnell auspacken. Je näher wir uns dem Gipfel des Vulcano Chillan nähern, desto schlechter werden die Verhältnisse. Leider haben wir keine Steigeisen dabei, denn der Gipfelhang ist eisig und mit Eislamellen durchzogen, sodass wir mit den Harscheisen auch nicht mehr weiterkommen.

Da hier keine schnelle Rettung zu erwarten ist, gehen wir kein Risiko ein und brechen den Anstieg kurz vor dem Gipfel ab.

Es folgen von hier ca. 1.700m Höhenmeter gigantischer Abfahrt direkt zu unserer Lodge. Die Hänge sind im oberen Teil sehr steil (bis zu 40°) und sehr hart, im unteren Teil wechseln sich Firn und schon weicher Schnee ab.

In allen Bereichen überzeugt nun die Bindung mit sagenhaften Abfahrtseigenschaften. Ich bin total begeistert!!!

Der nächste Tag bringt uns dann doch auf den Bruder des Vulkangipfels, sodass wir unseren ersten Vulkangipfel genießen können. Da machen uns auch die Windstärken von bis zu 80kmh nichts aus. Es folgen wieder traumhafte steile Hänge.

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Der letzte Tag bietet uns nochmals ein Highlight. Wir steigen wieder Richtung Vulkangipfel auf und gehen in einem der Gesiyr-Bäche baden. Skitour unterbrochen mit einem Bad auf 2.200m und vor allem in 45° heißem Wasser, das hat auch noch keiner von uns gemacht. Die Abfahrt führt uns dann vorbei an Schwefelquellen und wildromantischer Natur.

 

 

Die 4 Tage sind leider wie im Fluge vergangen, sodass wir den letzten Abend noch voll genießen wollen. Daher beschließt ein Teil unserer Gruppe gleich durchzumachen. Als ich um 5 Uhr des Abflugtages aufstehe und meinen Kaffee trinke, ist die Party noch in vollem Gange.

Der Abschied fällt uns sehr schwer, da uns Marker mit dieser Veranstaltung ein unvergessliches Ergebnis beschert hat, für das ich mich hier nochmals bedanken möchte.

 

Zur Bindung kann ich nur sagen, gekauft und schon in größerer Menge vorbestellt. Ich persönlich bin ein begeisterter Anhänger dieser Bindung geworden und werde sie zukünftig vorrangig auf meinen Skiern fahren.

Ab Dezember gibt´s die Bindung in unserem Teamalpin Shop.

Ossi Praxenthaler
(staatl. gepr. Skilehrer und staatl. gepr. Ski- und Bergführer)

 

Weitere Informationen zur Bindung findet ihr hier!

 

5 Gedanken zu „Bindungstest Marker „Kingpin“ in Chile

  1. Servus Ossi,

    das ist ja mal ein ausführlicher Erfahrungsbericht! Das hilft super. Ich will dieses Jahr endgültig von einer Rahmenbindung (Diamir Eagle) auf eine rahmenlose Bindung umsteigen und bin von den (wenigen) Berichten, die es zu der Kingpin gibt, sehr angetan. Ich hätte auch längst schon zugeschlagen, wenn ich nicht im vergangenen Frühjahr auf einige bedenkliche Kritikpunkte gestoßen wäre. Es hat sich wohl der Umstand gehäuft, dass die Pins an den Vorderbacken teils erhebliche Probleme gemacht haben. Die Berichte reichten von „herausstehend“ bis „abbrechend“. Diese Erfahrung durfte sogar ein Bekannter von mir machen, der im Rahmen einer Promo-Veranstaltung in Norwegen vergangenes Frühjahr bis zu drei mal die Vorderbacken auswechseln musste, weil die Pins nicht gehalten haben. Das klingt zumindest in meinen Ohren nach „noch nicht unausgereift“. Ist denn bekannt, ob Marker dieses Problem mittlerweile in Griff bekommen hat? Bzw. hast du denn von diesem Phänomen auch schon gehört, oder waren das evtl. nur zufällige Einzelschicksale, die nicht repräsentativ sind? Tatsächlich würde ich nämlich sofort zugreifen wollen, aber bin noch etwas unsicher ob beschriebenen Problematik.

    BG Sebastian

    1. Hallo Sebastian,
      ich denke Du hast recht. Wir hatten in Chile wahrscheinlich Prototypen und die erste Serie ist dann wohl etwas anders ausgefallen. Das war auch der Grund, warum im Winter 14/15 vermutlich auch keine weiteren Lieferungen der Kingpin 10 stattfanden. Die Kingpin 13 wurde ja gar nicht ausgeliefert.
      Ich habe im vergangenen Winter einen BMT84 mit der Kingpin 13 gefahren und war sehr zufrieden. Ich habe einen La Sportive Spectre, der aber nicht so ganz einfach in die Bindung reinpasst (brauche dazu einen Adapter), mein TLT 6 Performance von Dynafit passt ohnehin nicht. Wichtig ist für die Kompatibilität mit der Bindung auf alle Fälle Dein Schuh. Wir haben heuer schon die ersten Kingpins aufgeliefert bekommen und ich denke der Fehler dürfte behoben sein. Marker hat hier sehr hohe Qualitätsansprüche. Wenn Du Dich für die Bindung entscheidest, würde ich mich aber zuerst „warmfahren“ mit der Bindung bevor Du in steiles Gelände gehst. Ich denke ein gewisses mentales Vertrauen in neue Produkte ist hier sehr wichtig…..
      Hoffe Dir etwas weitergeholfen zu haben.
      bg
      Ossi

  2. Hallo, danke für den Test – ich hoffe, die tolle Umgebung hat die Sicht auf die Bindung nicht verfälscht. Der Völkl V-Werks BMT Ski wird nur so am Rande erwähnt; dabei wäre es auch sehr interessant zu erfahren, wie der sich so fährt, und ob er so revolutionär ist wie beworben. So viele Berichte gibt es ja darüber auch noch nicht im Netz.

    1. Hallo Torsten,
      ja da hast Du recht, der Ski ist wohl etwas zu kurz gekommen. Das lag aber daran, dass ich bereits den Katana V-Werks im letzten Jahr hatte (Mittelbreite 132).
      Den 84iger BMT konnte ich erstmals in Chile testen und diese Woche war ich einige Tage am Arlberg damit. Mein Eindruck war bzw. ist folgender:

      Der BMT 84 ist wesentlich vielseitiger einsetzbar, wenn es um die Verhältnisse bei uns geht. Der breite V-Werks war zwar letztes Jahr bei sehr viel Schnee in den Dolomiten super zu fahren, aber meist hat es bei uns ja eher „bescheidene“ Verhältnisse bei uns. Auch am Arlberg war es ein Mix zwischen etwas Pulver abseits und sehr harten Pisten bzw. Verhältnissen. Ich kam aber mit diesem Ski sehr gut zurecht und für mich ist es eine gute Alternative zum Freeriden und Tourengehen. Ich schaue inzwischen nicht mehr auf jedes Gramm, da ich ohnehin Lawinenairbag, Helm und die sonstige Grundausrüstung (LVS-Set etc.) mit im Rucksack habe. Trotz seiner breiten Taillierung ist der BMT noch sehr leicht.
      Fazit: Ich bin damit sehr zufrieden und werde ihn wohl noch öfter hernehmen, wenn die Verhältnisse mal besser werden. bg Ossi

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